»Unsere Gesellschaft wird insgesamt nicht gerechter, wenn hier und da eine Klassenbeste ein angenehmeres Leben als ihre Eltern führt.«

Auf Einladung der GEW las Marlen Hobrack in der Detmolder Stadthalle aus »Klassenbeste. Wie Herkunft unsere Gesellschaft spaltet.« Das Buch verknüpft biografische Schilderungen aus ihrem eigenem und v.a. dem Leben ihrer Mutter mit dem dazu passenden soziologischen Hintergrund.

Beim Publikum, mehrheitlich Lehrer:innen, rannte Hobrack offene Türen ein. Pädagogischer Idealismus geht in diesem Land Hand in Hand mit der frustierenden Erfahrung eingefahrener Bildungsgleise.
Während wir, die Pensionär:innen, mit Wehmut an den sozialdemokratischen Bildungsaufbruch in den Siebzigern denken, der so manche neue Tür für Kinder von Nicht-Akademiker:innen öffnete, identifiziert Hobrack für sich die »Wende« in der DDR als kleines Zeitfenster, in dem mehr vertikale Bewegung möglich war als vorher – oder heute.

Wir alle lieben Aufsteigergeschichten und besonders im Schulsystem versichert man sich gegenseitig gerne, dass man »kriterienorientierte Notengebung« und somit das angewandte Leistungsprinzip praktiziere. Aber die Durchlässigkeit des Schulsystems ist ebenso Mythos wie die meritokratischen Versprechungen des Arbeitslebens.

Die Wahrheit ist, was mein Sohn über Notengebung in der achten Klasse sagte: »Mama, das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob ich mich anstrenge oder nicht.«


Marlen Hobrack, Klassenbeste: Wie Herkunft unsere Gesellschaft spaltet. Hanser Berlin. 213 Seiten. Erschienen am 22.8.2022.