Ich weiß nicht, wie er es macht, aber Florian Illies nimmt ein Sujet, das völlig abseits des Zeitgeschmacks liegt (hier: brandenburgische Glasherstellung im 17. Jahrhundert) und verwandelt es in einen packenden, modernen Mythos.

Als Alchemist des Erzählens gelingt ihm, was Johannes Kunckel vor 350 Jahren auf anderem Gebiet gelungen ist. Einst als »Geheimer Kammerdiener« des Großen Kurfürsten angetreten, um in Ruhe daran zu tüfteln, Gold herzustellen, hat Kunckel mit seinen rubinroten und kobaltblauen Pokalen immerhin »das vielleicht schönste Glas des deutschen Barocks ersonnen.«

Schnell steigt er damit im Ansehen Friedrich Wilhelms von Brandenburg und dessen kunstbegeisterten zweiten Gattin Dorothea so weit auf, dass er die Pfaueninsel als ungestörtes Labor geschenkt bekommt.

Die kunckelschen Glaskorallen werden sogar als Gastgeschenke und Zahlungsmittel in den ersten Kolonien Westafrikas eingesetzt. Der Glaskünstler ist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs und der Neid der Bürokraten bei Hofe vorprogrammiert.

Inspirierende Naturschilderungen ( »als wollte die Pfaueninsel mit all ihren Grünschattierungen jenen Mann übertönen, der ausgerechnet auf ihrem Boden nach dem perfekten Rot suchen will«) und ein sehr praktischer Appendix (»Nachglühen«) mit einem Werkverzeichnis haben mich überzeugt, dass ich unbedingt bei meinem nächsten Berlinbesuch im Juli einen Tag für die Pfaueninsel reservieren muss.

Florian Illies, Träume aus Feuer. Der Alchemist von der Pfaueninsel, Pfaueninsel, 144 Seiten. Erschienen am 1.6.2026.