Mitten in der Muttertagsbuchempfehlungsplanung (tolles Wort, oder?) ist mir das perfekte Vatertagsbuch begegnet. Es schadet auch nichts, es mit ein paar Bierchen zu lesen ;-).
Vogelfrei oder frei wie ein Vogel seien zwei Seiten derselben Medaille, heißt es in „Durch die Gärten sehr weit links”. Und die werden ausdekliniert, neu kombiniert, offen gelassen oder ad absurdum geführt in den neuen Kurzgeschichten von Veit Sprenger. Phantastisches, Groteskes, Gruseliges kommt zur Sprache, aber es gibt auch was fürs Herz.
Im Kapitel „Unbreak my Heart oder die Klinik der einsamen Herzen” erfahren wir, warum jedes Herz einsam ist. Weil jeder nur eines hat nämlich. Auch ansonsten verbirgt sich hinter Titeln wie „Zopiclon”, „Auswüchse”, „Nadelfilz” oder „Die deutsche Meisterin im Apnoetauchen bei der Arbeit” genau das, was sie bezeichnen. Oder eben „Erstes Kapitel”, das endlich entstehen darf, weil eine Haftstrafe angetreten wird.
Mein persönlicher Favorit ist das kafkaeske „In Gesellschaft”. Der Ich-Erzähler hat zum Geburtstagsfest geladen und bittet seine Gäste spätabends wieder zu gehen, aber die denken gar nicht dran. Jahrelang nicht. Also lebt er fortan mit ihnen in seiner (»zum Glück«) großen Wohnung. Man gewöhnt sich an alles. Und zumindest kann er nicht über Einsamkeit klagen.
Diese sei, so die Ärztin in der Klinik der einsamen Herzen ohnehin nur durch einen Eingriff zu beheben. Zwar gebe es »diesen Mythos von der Heilung durch Gespräche« und eine »ganze säuselnde Mitleids- und Verständniskultur«, aber dieser therapeutischen »Nischenkultur« traue sie nicht. »Das klingt nach Räucherstäbchen und Massageöl. Damit will ich nichts zu tun haben. Ich bin Chirurgin.«
Veit Sprenger, »Durch die Gärten, sehr weit links. Bewegtes«, Literatur Quickie Verlag, 120 Seiten. Erschienen am 28.02.2026.


Schreibe einen Kommentar