»Junge Frau mit Katze« von Dr. Daniela Dröscher –

»Es begann damit, dass es schon früher begonnen haben musste.« War es die Katze? War es Überarbeitung? Ist es am Ende doch wieder die Mutter? Daniela Dröscher hat ein ganz neues Genre erfunden: den Allergen-Krimi. Worauf die Ich-Erzählerin Ele so heftig reagiert, dass sie ausgerechnet in der Vorbereitungsphase zur Verteidigung ihrer Dissertation außer Gefecht gesetzt wird, ist das zentrale Geheimnis, das erst nach und nach, und zusammen mit vielen klugen Zitaten aus der japanischen Literatur, aufgedröselt wird. Besonders für letztere bin ich dankbar, denn ohne Dröscher hätte ich diese kleinen Schätze der Weisheit nie entdeckt.

Was den Psychosomatik-Roman als neues Format angeht, so ist die Ärzte-Odyssee für alle Lesenden mit einer vernünftigen Anzahl an Spiegelneuronen richtig anstrengend. Aber man lernt auch eine ganze Menge. Z.B. was ein ADEM ist. Außerdem spiegelt der Text perfekt das Kranksein in und an unserer Gesellschaft und ist absolut zeitgemäß, auch wenn die FAZ als Vertreterin des klassischen Feuilletons frozzelt »Ist eine Darmreinigung wirklich Literatur?« Höre ich da ein Echo der Siebzigerjahre, als die Literaturkritik in der Bundesrepublik das böse Wort »Menstruationsliteratur« erfand, um die neue Frauenliteratur zu diskreditieren? Und damit den (weiblichen) Körper als literarisches Sujet?

Dazu passt, dass Dröscher in »Junge Frau mit Katze« auch noch eine Variante vom Universitätsbetrieb als Märchen von der bundesdeutschen Meritokratie erzählt. Im Roman schafft die Ich-Erzählerin zwar ihre Verteidigung, aber die Stelle, die ihr in Aussicht gestellt wurde, wird schließlich mit dem Sohn ihrer Zweitkorrektorin besetzt. Man bleibt mal wieder unter sich – nicht zuletzt auch deshalb, weil Aufsteiger:innen in Deutschland so viel Mut brauchen, um aufzusteigen. »Die Note schien wie eine Bestätigung dessen, was ich insgeheim schon so manches Mal befürchtet hatte, nämlich, dass mein Denken für die Universität ungeeignet war.«

Immerhin hat Daniela Dröscher im richtigen Leben ihre Promotion geschafft und damit einen akademischen Abschluss in der Tasche, den die meisten Literaturkritiker:innen nicht vorweisen können. Ich bin neugierig, warum sie ihren Doktortitel nicht führt und frage die KI. Diese vermutet, dass Dröscher sich in erster Linie als Schriftstellerin versteht und der akademische Betrieb mitsamt seinen Ehren deshalb für ihr Werk nicht relevant sei.

Nun, da sie einen ganzen Roman über die psychosomatische Tortur im Vorfeld einer Verteidigung geschrieben hat, ist das Thema für ihr Schriftstellerinnendasein ja nicht mehr irrelevant, oder? Schließlich geht es eben nicht nur um Darmreinigung oder die Therapeutin als Ersatzmutter. Es geht um die tiefsitzende Verbindung von Körper und Geist, um die Speicherung von Scham- und Schuldgefühlen im Zellgedächtnis, das in Stresssituationen zuschlagen kann. »Lernen, lesen und schreiben waren in meinem Universum lange Zeit untrennbar mit Schuld verknüpft. Erst jetzt, im Moment des Schreibens, realisiere ich diese Verbindung. Es ist, als hätte mein Schreiben einen Preis. Als müsste ich es  – mit dem Körper bezahlen.«

Ele ist nicht mehr bereit, diesen Preis zu zahlen, sondern versucht, dem Rat ihrer Therapeutin zu folgen. »Sie sind ein junger und starker Mensch. Gehen Sie. Leben Sie.« Das tut sie. Beim Schwimmen zum Beispiel und natürlich beim Schreiben, denn das sei wie »Wahrheiten vom Grund des Bewusstseins emporzuziehen«.

Dr. Daniela Dröscher, »Junge Frau mit Katze«, Roman, Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten. Erschienen am 14.08.2025.