Kristine Bilkau zu Besuch im BL:oom Blogger:innenzentrum –
Gleich die erste Szene setzt den Ton für den Anspruch an die eigene mütterliche Fürsorge. Kristine Bilkau, gut ausgeschlafen und erholt vom Wirbel der gestrigen Preisverleihung, liest den Anfang ihres Gewinner-Romans »Halbinsel«.
In einer Erinnerung der Ich-Erzählerin an ihre Tochter lernt die Anderthalbjährige Treppen zu bezwingen. Schwankend, kletternd, Stufe um Stufe. »Jeden Moment war ich bereit, meine Tochter aufzufangen. Ich sah das Stolpern und Stürzen in grellen Details.«
Über zwanzig Jahre später ist es dann soweit. Linn, inzwischen studierte und viel beschäftigte Umweltschützerin, bricht bei einem Vortrag zusammen und Mutter Annett, Ende Vierzig, Witwe, holt ihre Tochter nach Hause nach Nordfriesland, damit sie sich erholen kann.
Als der Aufenthalt sich hinzieht, sind Konflikte vorprogrammiert und wollen verhandelt werden. Bilkau sagt über Annetts Rolle: »Sie weiß Vieles über ihre Tochter nicht und muss verstehen, dass sie jetzt auf Augenhöhe sind«.

Die oft unausgesprochene Erwartung an jugendliche Zuversicht (»Du hast/hattest so viele Möglichkeiten«) wird irgendwann zum Gift eines mütterlichem Egoismus, dem Linn sich widersetzt.
Auf die Frage, wie Bilkau ihre Figuren entwickelt, gibt die Autorin eine tröstliche Antwort. Sie nähere sich ihnen durch das Schreiben von Szenen und würde dabei immer denken, sie schreibe bereits an ihrem Roman. Dabei würden diese Skizzen fast alle in der »Reste-Ablage« landen. Gut, dass man das beim Schreiben noch nicht weiß

Kristine Bilkau, »Halbinsel«, Roman, Luchterhand, 224 Seiten. Erschienen am 19.03.2025.
Schreibe einen Kommentar